Gesundheit von Müttern und Kindern im Fokus

Ende 2019 förderte die Prolok Stiftung das Projekt „Gesundheit von Müttern und Kindern im Fokus“ des Ärzte ohne Grenzen e.V in Sierra Leone.

Ausgangslage

Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 50 Jahren und einer der höchsten Mütter- und Kindersterblichkeitsraten zählt Sierra Leone zu den Ländern mit den schlechtesten Gesundheitsindikatoren der Welt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Risiko, bei der Entbindung zu sterben, für Frauen in Sierra Leone weltweit am höchsten. Nach dem Ende eines verheerenden Bürgerkriegs im Jahr 2002 erholten sich das Gesundheitswesen und die Wirtschaft nur langsam.

Der Ebola-Ausbruch von 2014 bis 2016 war für das Land ein schwerwiegender Rückschlag. In einigen Regionen sorgte er für den fast vollständigen Zusammenbruch des nationalen Gesundheitssystems. Nahezu 4.000 Menschen starben, darunter sieben Prozent der Gesundheitshelfer des Landes. Vielerorts fehlen heute Gesundheitseinrichtungen – insbesondere in ländlichen Gegenden. Dies wird unter anderem für schwangere Frauen und Neugeborene zur Gefahr. Sowohl die Entfernung als auch die Kosten für die Fahrt zu einer Gesundheitseinrichtung zählen zu den zentralen Problemen, gefolgt vom Mangel an medizinischen Versorgungsgütern und geschulten Arbeitskräften. Präventive Gesundheitsleistungen für Frauen und Kinder wie Impfungen und Moskitonetze gegen Malaria werden ebenfalls nicht ausreichend angeboten. Die Sterblichkeit von Neugeborenen und Kleinkindern in Sierra Leone ist vergleichbar mit den Sterblichkeitsraten in Notsituationen wie Kriegen und Naturkatastrophen. Malaria ist bei Kindern unter fünf Jahren die Haupttodesursache.

Ein weiteres Problem ist die Ausbreitung von HIV-Infektionen. In Sierra Leone ist die HIV-Rate in den letzten Jahren angestiegen. Lediglich 20 Prozent der infizierten Personen erhalten jedoch eine lebensrettende antiretrovirale Therapie. Kinder und schwangere Frauen sind besonders durch HIV gefährdet, da sie spezielle Untersuchungen und Behandlungen benötigen, die nur selten verfügbar sind.

Aktivitäten

Nach dem Ende der Ebola-Epidemie im Jahr 2016 begann Ärzte ohne Grenzen im Bezirk Tonkolili das Krankenhaus in Magburaka sowie vier kleinere, dezentrale Gesundheitseinrichtungen zu unterstützen. Die medizinischen Teams arbeiten eng mit dem sierra-leonischen Gesundheitsministerium zusammen. Der Fokus von Ärzte ohne Grenzen liegt dabei auf der Gesundheit von Schwangeren, Müttern und Kindern. Primäres Ziel ist es, die Mütter- und Kindersterblichkeit in der Region zu senken. Weiterhin möchte Ärzte ohne Grenzen dem durch den Ebola-Ausbruch verschärften Mangel an qualifiziertem Gesundheitspersonal entgegenwirken – durch die Schulung von Krankenpflegern, Hebammen und sonstigen Beschäftigten im Gesundheitswesen. Im staatlichen Krankenhaus in Magburaka leiten die Teams die Kinder- und Mütterstation, zudem kümmern sie sich um erkrankte Neugeborene. Sie betreuen die Geburten im Krankenhaus, bei schwierigen Entbindungen können Ärzte einen Kaiserschnitt leisten. Auch eine Station für mangelernährte Kinder wird von den Teams betreut. Im Laufe des Jahres 2018 wurde mit der Unterstützung der HIV-Versorgung für schwangere Frauen und Kinder begonnen. Außerhalb Magburakas unterstützt Ärzte ohne Grenzen vier ambulante Einrichtungen, die  Basisgesundheitsversorgung leisten. Überlebende sexueller Gewalt sollen mit einem speziellen Hilfsangebot erreicht werden – dabei will Ärzte ohne Grenzen einen besonderen Fokus auf Mädchen legen.

Ausblick

Angesichts des Mangels an qualifiziertem Gesundheitspersonal in Sierra Leone misst Ärzte ohne Grenzen der weiteren Zusammenarbeit mit dem sierra-leonischen Gesundheitsministerium strategische Priorität bei. Sie unterstützen die Gesundheitsstrukturen nicht nur durch die Bereitstellung medizinischer Versorgungsgüter und logistischer Materialien, sondern auch durch die Schulung von Personal. In den nächsten Jahren plant Ärzte ohne Grenzen daher keine zusätzlichen Stellen in Tonkolili ein. Stattdessen möchten sie das bestehende sierra-leonische Personal weiter fortbilden, sowohl im Krankenhaus als auch in den anderen Gesundheitseinrichtungen. Auch in den Dörfern wird Ärzte ohne Grenzen die nachhaltige Schulung der Gesundheitshelfer
fortsetzen, um weiter aufzuklären und das Bewusstsein für Risiken und Präventivmaßnahmen zu erhöhen.

Quelle: https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/unsere-arbeit/einsatzlaender/sierra-leone